Konzerthalle »Carl Philipp Emanuel Bach«

Die Franziskaner Klosterkirche

Die heutige Konzerthalle »Carl Philipp Emanuel Bach« ist die Kirche des ehemaligen Franziskanerklosters, das erst in der Nähe des Brücktors und um 1270 an der Nordostecke der Stadt, dem jetzigen Standort, errichtet wurde. Vermutlich wurde zu gleicher Zeit mit dem Kirchenbau begonnen; die Sakristei wurde jedenfalls 1301 geweiht.

In der ursprünglichen Form ist noch der Chor mit seinem nördlichen Anbau und die unteren Teile der Ost- und Nordmauer des nördlichen Seitenschiffs erhalten. Die heutige Gestalt erhielt die Kirche, eine Hallenkirche in einer bescheidenen Form der Norddeutschen Backsteingotik, mit einem Umbau und einer wesentlichen Vergrößerung des Langhauses von 1516 – 1526 durch Bruder Andreas Lange. Für die Zeit dazwischen gibt es kaum Baunachrichten, sie setzen erst kurz nach der Reformation ein.

Die Mönche hatten nicht mehr viel von ihren gewaltigen Umbauten, denn nach der Reformation erfolgte 1539 die Schließung des Klosters, die Mönche wurden vertrieben. Kurfürst Joachim II. sprach die Klostergebäude der Universität zu.



In der Klosterbibliothek wurde eine Universitätsdruckerei eingerichtet. 1572 erfolgte endgültig die Übertragung sämtlicher Klostergebäude an die »Universitas Viadrina«. Es folgte die Errichtung einer »Kommunität« (Mensa), der Kurfürst stiftete selbst Freitische für 100 Studenten. Die Klosterkirche wurde 1551 lutherische Kirche der Unterstadt (»Unterkirche«), nach 1656 hieß sie »Nikolaikirche«.



1735/36 erfolgte unter König Friedrich Wilhelm I. eine umfassende Renovierung der Kirche; zu dieser Zeit entstand auch der Unterbau für einen offensichtlich geplanten Turm, der aber nicht ausgeführt wurde. Der Unterbau über dem östlichen Mittelschiffsjoch besteht bis heute. Im darüber thronenden Rundbogen ist heute wieder das damals anlässlich der Restaurierung angebrachte Wappen mit den Initialen Friedrich Wilhelm I. zu sehen. Das Gebäude diente nun auch als Garnisonskirche.



Nach der Auflösung der Universität 1815 fielen die Klostergebäude an die Stadt Frankfurt (Oder), die 1823 dort ein Armenhaus einrichtete, das bis 1901 bestand. Während die ehemaligen Klostergebäude 1945 weitgehend zerstört wurden, überstand die Kirche den Krieg als eines der ganz wenigen Gebäude der Innenstadt weitgehend unbeschadet.

Nach dem Krieg wurde die Kirche nur noch selten zu Gottesdiensten genutzt; die ehemalige Gemeinde kam ja hauptsächlich aus der Dammvorstadt am anderen Oderufer, die nach dem Vertrag über die Oder-Neiße-Grenze auf polnischem Gebiet lag. Da Frankfurt nach den weitgehenden Kriegszerstörungen kein Theater mehr besaß und das Theaterensemble in einem Behelfsbau am Stadtrand spielte, suchte man nach einem Konzertsaal.



So kam es 1967 zu einem Vertrag zwischen Kirche und Stadt über die Umnutzung der ehemaligen Franziskaner Klosterkirche zur Konzerthalle. Schon im gleichen Jahr wurde die Kirche provisorisch als Konzerthalle genutzt.

1969/70 begannen umfangreiche Restaurierungs-, Umbau- und Sicherungsarbeiten: Der Dachstuhl wurde mit den damalig bescheidenen Mitteln der Stadt saniert, das Dach neu gedeckt, das Gewölbe wurde gesichert und dabei die mittelalterlichen Gewölbemalereien freigelegt und restauriert, 1987 der Westgiebel restauriert. Die Fenster erhielten eine doppelte Verglasung, die innere mit einer ornamentalen Gestaltung.



1970 erhielt die Konzerthalle den Namen des zweiten Bach-Sohnes Carl Philipp Emanuel, der von 1734 – 1738 an der Frankfurter Universität studierte und einen wesentlichen Teil des damaligen Frankfurter Musiklebens prägte.



1988 erfolgte der Anbau der notwendigen Funktionsgebäude, 1994 die Instandsetzung des Chorsüdanbaus, 1999 die Renovierung der Nordwand des Langhauses. 2000 bis 2003 erfolgte eine aufwändige Sanierung des Dachstuhles und der beiden Giebel nach heutigen denkmalpflegerischen und konstruktiven Anforderungen.



Bereits 1975 erhielt die Konzerthalle eine Konzertorgel der Frankfurter Orgelbaufirma Sauer im Westjoch des Mittelschiffs (50 Register). Die zweite, mit 8 Registern weitaus kleinere und ältere Orgel ist ebenfalls von der Firma Sauer. Sie stammt aus der Kirche in Jeeben/Altmark, ist die älteste erhaltene Kleinorgel der bekannten Orgelbaufirma (op. 107) und wurde 1990 im Chorraum aufgestellt.


Die Konzerthalle

Die Konzerthalle kann seit ihrer Einweihung bereits auf eine eindrucksvolle Geschichte verweisen. Sie ist seit 1971 Sitz des Philharmonischen Orchesters Frankfurt (Oder), seit 1995 des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt.

Auch die 1975 neu gegründete Singakademie Frankfurt (Oder), die auf eine Tradition der 1815 gegründeten Frankfurter Singakademie zurückblicken kann, hat hier ihren Sitz.

Die Konzerthalle ist auch Proben- und Musizierstätte für das Orchester der Frankfurter Musikfreunde bzw. das deutsch-polnische Jugendsinfonieorchester.

In den über vierzig Jahren ihres Bestehens fanden hier zahlreiche Gastspiele international renommierter Künstler statt: David Oistrach, Mstislaw Rostropowitsch, Ludwig Güttler, Bernard Greenhouse, Rudolf Buchbinder oder das Royal Philharmonic Orchestra London mit W. Ashkenazy waren hier zu erleben, um nur einige zu nennen.



Die Konzerthalle ist aber auch Mittelpunkt der »Frankfurter Bachpflege« in Verbindung mit dem Museum Viadrina sowie der Musikgesellschaft C. Ph. E. Bach e.V. 1994 fand die Neueröffnung der weltweit einzigen ständigen Ausstellung zu »Carl Philipp Emanuel Bach - Leben, Werk und Nachwirken« im Rahmen der Frankfurter Festtage der Musik statt.

Die Bachausstellung ist in Verbindung mit einer kleinen Ausstellung von Originalinstrumenten der Bachzeit (aus der Reka-Sammlung des Museums Viadrina) zu besichtigen. Die Musikgesellschaft »C. Ph. E. Bach« veranstaltet internationale Symposien, gibt die Publikationsreihe »Bach-Konzepte« heraus, zeichnet verantwortlich für das Bacharchiv und beschäftigt sich mit der Aufführungspraxis.

Übrigens fand hier am 6.9.1991 auch der Festakt zur Neu-Eröffnung der Europa - Universität VIADRINA statt. Die Konzerthalle war Veranstaltungsort des Vortragszyklus »Nachdenken über Europa«, zu dem unter Schirmherrschaft von Bundespräsident Richard Weizsäcker namhafte Politiker, Wissenschaftler und Publizisten an die Europa-Universität Viadrina eingeladen werden. Auch der Festakt zum 500-jährigen Bestehen der »Universitas Viadrina« fand in der Konzerthalle statt.

Die Frankfurter haben nach wie vor einen starken Bezug zu ihrer Konzerthalle. Das änderte sich auch nicht, als im Jahr 2001 das neue Kleist Forum eröffnet wurde: Beide Häuser gehören zur Messe und Veranstaltungs GmbH und werden von den Besuchern aus Frankfurt und Umgebung (bis Berlin) gut angenommen.


 
 
 

DER KONZERTTIPP



Sonnabend, 27. August 2016,
14.00 Uhr
Kloster Chorin


Choriner Tierleben

GROSSE BÜHNE 14.00 – 14.30 Uhr
Johann Strauss jr.:
»Die Fledermaus«-Ouvertüre
Maurice Ravel:
»Ma mère l’oye«-Suite

GROSSE BÜHNE 15.30 – 16.30 Uhr
Für kleine und große Kinder
Howard Griffiths /Fabian Künzli:
Die Orchestermäuse

GROSSE BÜHNE 17.20 – 18.00 Uhr
Finale
Ralph Vaughan Williams:
»The Wasps«-Ouvertüre
The Lark Ascending
Anghelus Dinicu:
»Ciocarlia« (Die Lerche)
Paul Nero:
»Hot Canary«
Gioacchino Rossini:
»Die diebische Elster«-Ouvertüre

Martina Gedeck, Erzählerin
Bradley Creswick, Violine
GMD Howard Griffiths, Dirigent und Moderator


KLEINE BÜHNEN
14.45 – 15.05 / 16.45 – 17.05 Uhr
Verschiedene Kammermusik-Ensembles




Preise unter www.choriner-musiksommer.de
 


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